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Conellen
Bevorzugt auf Steinkernen von Ammonoideen (Goniatiten, Ceratiten,
Ammonititen), untergeordnet auch bei fossilen und rezenten
Nautiliden, finden sich Millimeter kleine, kegelförmige
Kalzitkörper.
Ihre Bezeichnung "Conellen" geht auf Quenstedt
zurück. Der heutigen Deutung als Bestandteile der Ammonitenschale
selbst gingen vielfältige Fehlinterpretationen als aufsitzende
Napfschnecken oder see-pockenähnliche Schmarotzer voraus.
Maubeuge führte die vermeintlichen sessilen Rankenfußkrebse
sogar Unter dem eigenen Gattungsnamen "Pyramidobalanites".
Das andere Extrem der Fehldeutungen erachtete die Conellen
als völlig anorganische Bildungen, die als Zementkristalle
auf der in Kalzit umgewandelten Schale aufwuchsen.
Conellen finden sich an Ammonoideen-Gehäusen in zwei
Vorzugspositionen, die jeweils durch Bereitstellung von internen
Hohlräumen die Möglichkeit für drusiges Kristallwachstum
bieten:
1. Im Bereich von Hohlelementen, wie unterfangenen Rippen,
Hohlstacheln und Hohlkielen, sind sie als Produkt der inneren
Prismenschicht aufzufassen.
2. Vorkommen von Conellen im Zusammenhang mit Regenerationen
von Schalenverletzungen deuten auf ihre Mineralisation entweder
aus einem Reparaturschleim, wie er von allen conchiferen Mollusken
bei Bedarf gebildet werden kann, oder aus der äußeren
Prismenschicht hin.
Während heute gesichert scheint, dass die Conellen Bestandteile
der Ammonitenschale selbst sind, ist die gängige Auffassung,
dass sie grundsätzlich Umwandlungsprodukte ursprünglich
aragonitischer Sphärolithsektoren sind, jedoch keinesfalls
zwingend. Sie basiert auf dem Nachweis morphologisch ähnlicher
Aragonitstrukturen in den inneren Prismenschichten des modernen
Allonautilus scrobiculatus, bei denen die Conellen auf einem
Liparoceras-Strinfcern (Mittlerer Lias, Burg-thann südlich
Nürnberg) sind kalzitische Kristalle in sogenannter Meilerstellung
angeordnet sind.
Vielmehr ist für viele Conellen aufgrund von Argumenten,
die aus der Einbettungsgeschichte (Taphonomie) abgeleitet
werden können, eine primär kalzitische Struktur
wahrscheinlicher. Wir finden Conellen sowohl innerhalb noch
aragonitisch erhaltener Schalen als auch bevorzugt als einzige
Relikte der Schale, welche die frühdiagenetische Auflösung
des restlichen (aragonitischen) Gehäuses auf den Steinkernen
überstanden haben.
Beide Fälle setzten eine selektive Umwandlung der Conellen
innerhalb der umgebenden Aragonit-Schale voraus, ohne die
restlichen Schalenanteile in diesen Vorgang miteinzubeziehen.
Für die Conellen auf Reliefsteinkernen, deren Gehäuse
bereits vor der Verfestigung und Kompaktion des Sediments
weggelöst waren, wäre darüber hinaus eine extrem
frühe, möglicherweise bereits zu Lebzeiten des Ammoniten
erfolgte Umwandlung notwendig. Die Mechanismen eines solchen
Prozesses, der ausschließlich über die Lösung
des Aragonites möglich ist, sind aber nur schwer vorstellbar.
Erben und Reid (1971) räumen daher auch ein: "It
seems, therefore, that only the inner prismatic layer is prone
to dissolution, in some unknown way." Die Lage der Conellen
in Hohlelementen legt dagegen nahe, dasssie als quasi anorganische
Mineralisate aus Restschleimen der organischen Substanzen
in Drusenhohlräume hineingewuchert sind und in ihrer
Kristallit-Anordnung den Zwängen der organischen Matritzen
in den Prismenschichten folgten.
In Übereinstimmung mit dieser Vorstellung steht des
weiteren, dass bei rezenten Mollusken die inhomogene Struktur
von sich selbst überlassenen Reparaturschleimen, die
ja auch ein potentieller Bildungsort für Conellen sind,
aufgrund des durch äußere Faktoren stark beeinflussbaren
Mineralisationsprozesses nebeneinander unterschiedliche Mineralphasen
des Kalziumkarbonats (Aragonit, Vaterit, Kalzit) sprossen
lässt.
Farbmuster
Die Einlagerung von organischen Pigmenten (zum Teil Melanine)
in die äußere Prismenschicht, die in eigenen Zellen
entlang des Mantelrandes produziert werden, ist bei vielen
Gehäusen moderner Mollusken für die Anlage eines
charakteristischen Farbmusters verantwortlich. Die unregelmäßige
Zebrastreifung der heutigen Nautiliden, die im Verlauf des
individuellen Heranwachsens zunehmend an Intensität verliert,
so dass die Wohnkammer erwachsener Individuen weitgehend frei
von Farbstreifen ist, verleiht den Tieren zeitlebens eine
perfekte Tarnung.
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Die vollständig mit Farbstreifen versehenen Gehäuse
schützen die bevorzugt in Bodennähe befindlichen
Jungtiere gegen Attacken von oben, während die weiße
Wohnkammer erwachsener Individuen der verstärkten Orientierung
in die Wassersäule gerecht wird, deren schwimmende Fressfeinde
zum Teil von unten kommen. Die individuelle Entwicklung des
Farbmusters korrespondiert bei Nautilus also mit einem Wechsel
von einer mehr bodenbezogenen (benthischen) zu einer überwiegend
nektonischen (in der Wassersäule schwimmenden) Lebensweise
während des Heranwachsens.
Die Konzentration der Pigmenteinlagerung auf die dünne
äußere Prismenschicht macht die Farbmuster nach
dem Tod des Tieres sehr anfällig gegen Abrieb, gegebenenfalls
auch Ausbleichen in der Sonne, bakteriellen sowie chemischen
Abbau durch saure und basische Porenwasserlösungen im
Sediment. Dennoch kommen unter besonders günstigen Erhaltungsbedingungen,
die unmittelbar nach der Einbettung in das Sediment für
einen schnellen Entzug der Gehäuse aus dem mechanischen
und chemischen Stressfeld sorgen (zum Beispiel Abkapselung
durch undurchlässige Tonsteine oder durch Konkretionsbildungen,
auch bei Ammonoideen gelegentlich Farbmuster-Erhaltungen vor.
Die ältesten Funde mit Farbmustern stammen aus dem Karbon
Englands (Homoceras). Mapes und Davies listen mehr als zwanzig
verschiedene Arten aus Trias, Jura und Kreide auf, bei denen
Farbmuster überliefert sind. Sie können in Form
radialer Streifenähnlich dem Nautilus in spiralig angeordneten
Bändern oder Punktreihen, zickzackförmigen Winkelmustern
oder einer Kombination dieser Anordnungen auftreten. Für
ihre Natur als ursprünglich angelegte Farbmuster sprechen
die jeweils symmetrische Anlage auf beiden Gehäuseflanken,
die Unterbrechung der Farbmuster bei regenerierten Schalenverletzungen
und ihre offensichtliche Beschränkung auch bei den fossilen
Ammonoideen auf die äußere Prismenschicht. Der
heutige Chemismus dieser Farbmuster ist aber bislang nicht
bekannt. Unter UV-Licht können Farbmuster, die mit bloßem
Auge kaum erkennbar sind, fluoreszieren und dadurch erst deutlich
werden.
Ein besonders bemerkenswertes Vorkommen in Kalken der Unter-Trias,
in dem Farbmuster von mindestens fünf verschiedenen Gattungen
nebeneinander festzustellen sind, befindet sich in der Halbwüste
von Nevada (USA) bei Crittenden Springs.
Die grundsätzlich artspezifisch festgelegten Grundmuster,
die nur einer geringen Variationsstreuung unterliegen, belegen
deren funktionale Bedeutung für die Ammonoideen. Entsprechende
gruppenspezifische Ausprägungen bestätigen sich
auch bei erdgeschichtlich jüngeren Arten. So erscheinen
beispielsweise Farbmuster bei Amaltheiden aus dem mittleren
Lias von unterschiedlichen Lokalitäten stets als enge,
in feine Punkte aufgelöste Spiralstreifen.
Im Gegensatz zum modernen Nautilus, dessen Farbmuster in
Übereinstimmung mit seinem Wechsel in der Lebensweise
mit zunehmendem Individu-alalter an Intensität verliert,
ist die Entwicklung der Farbmuster bei den bekannten Ammonoideen
progressiv, das heißt, daß adulte Individuen die
intensivste Färbung zeigen.
Die fossile Überlieferung von Farbmustern ist nur ausnahmsweise
an die gleichzeitige Erhaltung der originären Aragonitschale
gekoppelt. In den meisten Fällen - so auch bei dem Vorkommen
von Crittenden Springs - sind die Farbmuster trotz Umwandlung
der Aragonit-Schale in Kalzit (bei Schnecken mit Farberhaltung
aus der alpinen Trias sogar bei der Umsetzung der Schale in
Kieselsäure) erhalten geblieben und widerstehen dort
selbst längeren Zeiten der oberflächennahen Verwitterung.
Offensichtlich sind bei einer sehr frühen und schonenden
Umwandlung der Schale, bei welcher die Auflösung des
Aragonits und der Ersatz durch Kalzit Molekül für
Molekül erfolgte, die Abbauprodukte der Melanine unmittelbar
in das Kristallgitter als Verunreinigungen eingebaut worden
und so in ihrer ursprünglichen Konfiguration erhalten
geblieben.
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