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Die Struktur der Schale - Normales Struktur-Inventar
Die Schale der Ammonoideen ist in ihrer Struktur konservativ
(plesiomorph) und entspricht dem gemeinsamen Grundmuster der
Molluskenschale, wie sie sich sowohl beim heutigen Nautilus
als auch bei primitiven Gastropoden und Muscheln wiederfindet.
Bei fortschrittlicheren Vertretern der Schnecken und Muscheln
hat sich die Struktur deutlich abgewandelt. Aufgrund der prinzipiellen
Übereinstimmung im Aufbau und der stofflichen Zusammensetzung
der konservativen Schale zwischen den Ammonoideen und dem
modernen Nautilus kann letzterer für die Entstehung dieses
Merkmals als zuverlässiges Paradigma herangezogen werden.
Die Schale wird grundsätzlich von Drüsen des Mantelgewebes
abgeschieden. Sie weist bis zu vier Schichten auf, die von
außen nach innen in einer zeitlichen Abfolge nacheinander
und zum Teil von unterschiedlichen Abschnitten des Mantels
gebildet werden:
o Das Periostrakum, eine dünne Haut aus organischem Material
(Conchin), welche wie eine Schablone für die Bildung
und Gestaltung der eigentlichen Kalkschale dient. Es wird
entlang des Mündungsrandes in einer Falte des Mantels
(Mundsaumepithel) ausgeschieden und formt die Gestalt sowie
die etwaige Skulptur des Gehäuses in allen Details vor.
Während heute die Nautilus-Arten ihr Periostrakum unmittelbar
nach der Fertigstellung des neu angesetzten Segments der Kalkschale
abstoßen, verbleibt es bei Allonautilus scrobkulatus
zum Teil zeitlebens als schützende Außenhaut erhalten.
Es verhindert den Aufwuchs festsitzender Organismen auf dem
Gehäuse.
Die Beobachtung, dass viele Ammoniten-Gehäuse zu Lebzeiten
von solchen Epöken besiedelt wurden, legt die Vermutung
nahe, dass zumindest diese Arten ihr Periostrakum ebenfalls
frühzeitig abgestoßen hatten. Die äußere
Prismenschicht repräsentiert die äußere der
drei mineralisierten Schalenschichten und besteht aus einer
um 5 um dünnen Lage teils radial, teils in Sphärolithsektoren
orientierter Kalk-Kristalle (Aragonit). Die rasche Mineralisation
erfolgt aus einer vom Mündungsepithel ausgeschiedenen,
sogenannten extrapallialen Flüssigkeit und wird in seiner
Anordnung durch die Matrixstruktur des Periostrakums gesteuert.
In ihr können Anreicherungen von organischen Pigmenten
(Melanine) eingebaut werden, die ein charakteristisches Farbmuster
der Schale hervorrufen. Die Perlmutt-Schicht ist die dominierende
Schalenschicht. In dichten Lamellen organischer Gele mineralisieren
einzelne, etwa 8 um breite, sechsseitige Aragonitplättchen,
die schließlich in regelmäßigen Stapeln angeordnet
werden. Jedes dieser Plättchen wird ursprünglich
von einer dünnen organischen Hülle umschlossen,
wodurch die Schale eine hohe Elastizität erhält.
Die nur Bruchteile eines um dicken Wechsellagerungen aus
Aragonitplättchen und organischen Häutchen zerlegen
das auffallende Licht in seine Spektralfarben, ähnlich
einem Ölfilm auf dem Wasser. Das daraus resultierende
bunte Schillern des Perlmutts wird nicht - wie die Farbmuster
der äußeren Prismenschicht - durch Pigmente hervorgerufen,
sondern ist ein Struktureffekt. Die gesamte Oberfläche
des Mantels ist zur Bildung der relativ langsam wachsenden
Perlmuttschicht befähigt. So minera-lisieren auch die
im hinteren Bereich der Wohnkammer nachträglich in die
Gehäuseröhre eingezogenen Kammerscheidewände
(Septen) in Perlmutt. Perlmutt-Schichten sind, da sie flächig
angelegt werden, nicht in der Lage, differenzierte Skulptur-Elemente
selbst zu formen, sondern nur (organisch) präformierte
Strukturen nachzubilden.
Die innere Prismenschicht ist hinsichtlich ihrer Ausbildung
und der funktionalen Aufgaben sehr heterogen. Inwieweit die
hier zusammengefaßten Strukturen wirklich identisch
(homolog) sind, bleibt umstritten. Drei grundsätzliche
Differenzierungen können unterschieden werden. Die ersten
beiden wurden meist mit großer zeitlicher Verzögerung
bevorzugt im hinteren Abschnitt der Wohnkammer eingezogen,
während die dritte Modifikation der Inneren Prismenschicht
nahe der Gehäusemündung ausgeschieden wurde:
1. Ein- bis mehrschichtige Lagen radial-prismatischer Aragonitkristalle
wurden insbesondere dort der Perlmuttschicht angelagert, wo
an der Schaleninnenseite Muskeln oder andere Gewebe (zum Beispiel
der Sipho) angeheftet sind ("myoadhäsive Zonen").
2. Die innere Prismenschicht kann Unebenheiten im inneren
Schalenrelief plombieren und ausglätten, die vor allem
durch die kräftigen Skulpturen des Gehäuses (wellblechartige
Rippen, Dornen usw; siehe unten) hervorgerufen werden. Durch
das sekundäre Einziehen von inneren
Trennwänden entstehen hohle Skulptur-Elemente am Gehäuse.
In Einzelfällen, zum Beispiel bei Dactylioceraten aus
dem Unter-Jura (Lias), kam es aufgrund der inneren Reliefglättung,
die im Zuge des normalen Gehäusebau planes durch zusätzliche
Perlmutt-Lagen verstärkt wurde,
zu einer regelrechten Verdoppelung der Schale189. Aber auch
im Rahmen des abnormalen (pathologischen) Gehäusewachstums
konnten bei Bedarf Lagen der inneren Prismenschicht zur Abkapselung
von äußeren Störungen (Parasiten, Schalenverletzungen)
herangezogen werden.
3. Eine runzelige Schalenlage, die bei den Ammonoideen zum
Teil aragonitisch mineralisiert ist, wird im dorsalen Abschnitt
der Gehäuseröhre als Runzelschicht, im eher ventralen
Abschnitt als Ritzstreifung bezeichnet. Ihre Gleichsetzung
(Homologisierung) mit der Inneren Prismenschicht ist jedoch
umstritten und kann in einzelnen Fällen - besonders wo
sie nachträglich von weiteren, perlmuttähnlichen
Schalenschichten überbaut wird - auch als Derivat der
äußeren Prismenschicht aufgefasst werden.
Einige Strukturen und Modifikationen der Ammonoideen-Schale
seien im folgenden besonders herausgegriffen:
Runzelschicht und Ritzstreifung
Der rezente Nautilus kittet beim Gehäusebau die jeweils
äußere Windung als Halbröhre an die Innenwindung
an. Im dorsalen Körperabschnitt bildet daher zunächst
die Außenseite der inneren Gehäusewindung die Begrenzung
der Wohnröhre. In diesem Kontaktbereich und entlang des
Nabelpfropfens scheidet Nautilus an seiner Gehäusemündung
eine schwarze Conchin-Schicht mit feinster Runzelstruktur
aus.
Im Zuge des weiteren Schalenvorbaus wird diese im Inneren
der Wohnkammer durch Überwachsen mit einer dünnen
perlmuttähnlichen dorsalen Kalkschalenlage wieder geglättet.
Ihre Färbung geht auf die Einlagerung vor allem des Farbpigmentes
Melanin zurück":. Eine der schwarzen Schicht des
Nautilus ähnliche, jedoch durch unregelmäßig
bis subprismatisch angeordnete Aragonitkristalle mineralisierte
Schalenschicht wird bei den Ammonoideen als "Runzelschicht"
("wringle-layer") bezeichnet.
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Die Runzelschicht der Ammonoideen wird bei den meisten Arten
jedoch nicht nachträglich durch eine perlmuttähnliche
Kalkschicht überwachsen, sondern dient in diesen Fällen
unmittelbar den spater eingebauten Septen als Anwachsbasis.
Die oft dunkle Färbung der fossilen Runzelschichten weist
auf einen primär hohen Gehalt an organischen Substanzen
hin. Sie wird mehrheitlich als - zumindest funktionales -
Äquivalent der schwarzen Schicht des Nautilus interpretiert
und bildet ein System von flachen Leisten, Rillen, Knötchen
oder eine Kombination aus diesen Strukturen.
Die Runzelschicht erinnert an de Hautrelief der menschlichen
Fingerkuppe. Die linearen Elemente verlaufen annähernd
parallel, meist aber in einem mehr oder weniger spitzen Winkel
zu den Anwachslinien des Gehäuses, während punktförmige
Pusteln zum Teil in spiraliger Anordnung auftreten.
Schwarze Runzelschichten flachgedrückter Eopsiloceraten
aus der alpinen Obertrias, die reich an organischem Material
sind, wurden wegen des biogeochemisch noch nachweisbaren Melanin-Gehaltes
fälschlicherweise als Tintenbeutel interpretiert. Besonders
typisch sind Runzelschichten bei Ammonoideen des Paläozoikums
und der Trias.
Sie finden sich vor allem bei glattschaligen bis wenig skulptierten
Ammo-noideen besonders deutlich ausgeprägt, und ihre
Muster lassen spezifische Unterschiede erkennen. Runzelschichten
sind aber keineswegs auf erdgeschichtlich ältere Ammonoideen
beschränkt, sondern auch bei verschiedenen jüngeren,
glattschaligen Formen aus dem Jura und der Kreide bekannt
geworden.
Kräftige Spiralrunzeln ("Bauchstreifen"), die
im dorsalen Überlappungsbereich der Windungen von Amaltheus
(Lias) als mutmaßliche Derivate der inneren Prismenschicht
auftreten, werden trotz ihrer abweichenden Erscheinungsform
von einzelnen Autoren als den Runzelschichten homolog erachtet.
Im Unterschied zu den einschichtigen echten Runzelschichten
setzen sie sich aus mehreren dünnen Lagen zusammen. Der
Runzelschicht sehr ähnliche Bildungen finden sich aber
auch bei solchen Ammonoideen, welche im Gegensatz zum modernen
Nautilus stets eine vollständige Gehäuseröhre
bauen und dorsal der vorhergehenden Gehäusewindung anlagern
(zum Beispiel Aspidoceraten im Ober-Jura). Dies spricht dafür,
dass es sich bei den Runzelschichten um eine eigenständige
Anlage handelt, welche der Gehäusemündung unabhängig
vom übrigen Gehäusebau vorgelagert wurden und nicht
als das Rudiment einer ursprünglich dorsalen Schale anzusehen
sind. Bei vielen skulptierten Ammonoideen-Gehäusen, die
vor allem während des Jura und der Kreide geläufig
waren, vermissen wir entsprechende Runzelschichten. Aber auch
solche scheinbar runzelschichtlosen Arten des jüngeren
Mesozoikums haben auf den innersten Gehäusewindungen,
die noch keine Skulptur realisiert hatten, oft kurzzeitig
Runzelschichten angelegt und erst im Laufe des weiteren Gehäusewachstums
auf ihre Ausbildung verzichtet (zum Beispiel Amauroceras,
Lias).
Die Funktion der Runzelschicht ist umstritten. Wenig wahrscheinlich
ist die Vorstellung, dass sie der Oberflächenversiegelung
der vorhergehenden Windung diente oder gar skulpturbedingtes
Relief ausgeglichen hätte. Die dünnen Runzelschichtlagen
sind viel zu kleindimensioniert, um solche Effekte zu erzielen.
Auch ihre mögliche Funktion als Leichtbauelement zur
Gewichtsreduktion des Gehäuses mag bestenfalls ein willkommener
Nebeneffekt gewesen sein, erklärt aber keinesfalls die
spezifische Anlage an und vor der Gehäusemündung.
Die einsichtigere Erklärung, nämlich dass die Runzelschicht
der besseren Haftung des Mantels an der Schale diente, wird
von Lehmann mit der "Ratschen-Funktion" näher
erläuten. Das Zurückziehen des Ammonoideen-Körpers
in die Wohnkammer erfolgte durch Kontraktion des Retraktormuskels.
In Ermangelung eines entgegenwirkenden Streckermuskels mußte
der Weichkörper in der Gehäuseröhre vorkriechen.
Die Rauhigkeit der Runzelschicht leistete dabei den notwendigen
Reibungswiderstand. Die Beobachtung, dass die leistenförmigen
Runzeln im Querschnitt asymmetrisch sind und in Richtung der
Gehäusemündung flach ansteigen, um an der Vorderkante
steil abzufallen, stützt diese Interpretation. Skulptierte
Gehäuseformen, deren Relief bereits einen ausreichenden
Reibungswiderstand lieferte, konnten daher auf die Ausbildung
einer Runzelschicht verzichten.
Vollständig erhaltene Gehäuse von Goniatiten (Manticoceras)
aus dem Ober-Devon (Timan/Rußland) und Ceratitina (Die-neroceras,
Juvenites) aus der Unter-Trias (Nevada) lassen im Bereich
ihrer Gehäusemündung gelegentlich noch bräunlich
gefärbte Runzelschichten erkennen. Ihr schmales, zungenförmiges
Vorbauen zeigt deutliche Unterschiede zu den annähernd
geradlinig begrenzten schwarzen Schichten des heutigen Nautilus
pompilius und der ihm nahe verwandten Arten. Bei ihnen umfasst
der dorsale Weichkörper mit der breiten Basis des Hutes
das Gehäuse bis hin zum Nabel, wodurch auch die Plombierung
der Innenwindungen durch den kalkigen Nabelpfropfen möglich
wird. Beim weitnabeligen Allonautüus scrobiculatus ist
die schwarze Schicht in der dorsalen Medianen ebenfalls nur
unwesentlich vorgezogen. Die deutlich schlankere dorsale Haftzone
der hier betrachteten Ammonoideen legt daher nahe, daß
ein den Nautiliden äquivalenter Hut nicht ausgebildet
war. Der fleischige Hut der Nautiliden, der aus der Verwachsung
von ursprünglichen Tentakeln hervorgeht, dient nach Rückzug
des Weichkörpers in die Wohnkammer als Deckel des Gehäuses.
Um einen vollständigen Mündungsverschluss zu erreichen,
muß die Basis des Hutes die maximale Mündungsbreite
abdecken. Die schmale Runzelschicht-Zunge unserer Ammoniten
wird den Anforderungen für einen ähnlich funktionierenden
Hut nicht gerecht. Die kontinuierliche Fortsetzung der Runzelschicht
- die definitionsgemäß auf den dorsalen Überlappungsbereich
der Windungen beschränkt ist - auf den lateralen und
ventralen Gehäuseabschnitten, die nicht mehr von den
nachfolgenden Windungen überwachsen werden, wird als
"Ritzstreifung" bezeichnet. Ihr Vorkommen scheint
auf paläozoische und vereinzelt noch triadische Arten
beschränkt zu sein. Da in diesen alten Gesteinsschichten
selten gute Schalenerhaltungen zu finden sind, konzentriert
sich die Beschreibung der Ritzstreifung meist auf ihre Abdrücke
auf der Oberfläche der Steinkerne. Besonders deutlich
erscheinen die grübchen- und leistenförmigen Ornamentierungen
auf (zum Teil oxidierten) Pyrit-Steinkernen. Die kontinuierliche
Fortsetzung der dorsalen Runzelschichten auf die ventralen
Gehäusepartien hat schon Clausen dazu veranlaßt,
Ritzstreifung und Runzelschicht gleichzusetzen. Viele paläozoische
Ammonoideen, wie das hier abgebildete Manticoceras, begannen
unmittelbar nach dem Schlüpfen der Jungtiere aus dem
Ei damit, ihre Wohnkammer allseitig mit Runzelschichten auszukleiden,
um den Haftungswiderstand des Weichkörpers in der gesamten
Gehäuseröhre zu erhöhen. Bei erdgeschichtlich
jüngeren Ammonoideen (Jura/Kreide) beschränken sich
die Runzelschichten ausschließlich auf die dorsale Gehäusepartie.
Die Deutung grober napfartiger Vertiefungen ("Pits")
auf Goniatiten-Steinkernen, die in verschiedenen Mustern auftreten,
ist noch umstritten. Ihre Anordnung in unregelmäßigen
Reihen, deren Orientierung unabhängig von der Anlage
der Anwachslinien des Gehäuses erfolgt, läßt
sich wohl am ehesten mit Gewebeansatzstellen im Gehäuse
erklären, bei denen die Innere Prismenschicht nobbenartige
Wucherungen gebildet hatte.
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