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Über die zahlreichen Möglichkeiten der funktionalen
Bedeutung von Farbmustern wurde schon bezüglich der modernen
Mollusken viel spekuliert. Bei manchen Schnecken, deren Kalkschale
permanent von einem dicken und undurchsichtigen Periostrakum
überzogen ist, so dass die auf der Kalkschale vorhandenen
Farbmuster zu Lebzeiten der Tiere gar nicht sichtbar werden,
fällt eine funktionale Deutung schwer. Bisher liegen
aber nur für wenige Ammonoideen-Taxa (zum Beispiel: Gaudryceras,
Kreide, von dem ohnehin keine Farbmuster überliefert
sind) Hinweise auf ein etwas kräftigeres Periostrakum
vor. Wir können deshalb davon ausgehen, daß die
Farbmuster der Ammoniten grundsätzlich auch von außen
erkennbar waren. Die Funktion der Farbmuster kann in fünf
Bereichen zum Tragen gekommen sein:
o Bei verschiedenen Mollusken entstehen Pigmente, die in die
Schale eingelagert werden können, in Abhängigkeit
vom
Nahrungsangebot als Nebenprodukt des Stoffwechsels.
o Als ein Nebeneffekt der Pigmentierung, sicher nicht als
eine primäre Ursache, kann eine Stabilitätssteigerung
des Gehäuses abgeleitet werden, die vor allem die Abrasion
der Oberfläche hemmt.
o Farben dienen - insbesondere wenn sie in die Epidermis der
Organismen selbst eingelagert sind - grundsätzlich als
Lichtschutz, da sie das auftreffende Licht filtern, indem
sie nur den nicht reflektierten Spektralbereich absorbieren.
Die in engem Zusammenhang mit dem Lichtschutzfaktor stehende
Regulierung des Wärmehaushaltes kann für die Ammonoideen-Gehäuse
weitgehend vernachlässigt werden, da ein direkter Kontakt
des Mantels mit der möglicherweise im sehr flachen Wasser
durch Sonneneinstrahlung unter schiedlich aufgeheizten Schalenoberfläche
nicht bestand und die Perlmuttstruktur der Schale selbst eher
isolierende Eigenschaften hatte.
o Den meisten Farbmustern kommt vorrangig ein optischer Effekt
zu. Für Owenites aus der Untertrias von Crittenden Springs,
dessen Farbstreifen zwei voneinander abweichende Muster aufweisen,
kann an einen geschlechtsspezifischen Zusammenhang gedacht
werden. Bei giftproduzierenden Vertretern käme auch eine
Warnfärbung in Frage. Die symmetrische Anordnung der
Farbmuster, deren dominierende
Streifen-Konfigurationen zur optischen Auflösung von
Flächen bestens geeignet sind ("Zebraeffekt"),
legen aber nahe, daß sie in erster Linie der Tarnung
dienten.
Die wesentlichen Bedeutungen von Farbmustern basieren auf
ihrer Wechselwirkung mit Licht. Wir können für ihre
Träger vor allem dann von einem bevorzugt durchlichteten
(also flachen) Lebensraum ausgehen, wenn die Farbmuster in
ihrer Anlage gruppenspezifisch gesteuert sind und deshalb
einer offensichtlichen funktionalen Selektion unterliegen.
In dunklen Gewässern sind passive, nicht selbst luminiszierende
Färben
sinnlos. Ammonoideen mit charakteristischen Farbmustern sind
somit ein gutes Indiz dafür, dassihre Träger an
durchlichtete Flachwasser-Habitate angepasst waren.
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Sicher können die in der Schale fixierten (passiven)
Tarnmuster ektocochleater Cephalopoden einem Vergleich mit
der perfekten Mimikry rezenter Coleoideen nicht standhalten,
die als "Chamäleons der Meere" wahre Künstler
in der Beherrschung ihrer Hautpigmente sind.
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