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Will man das Lebewesen Ammonit in all seinen Aspekten verstehen,
so kommt seiner Einpassung in das ökologische Gefüge
der Zeit eine besondere Bedeutung zu. Wesentliche Beobachtungen
zu synökologischen Wechselbeziehungen wurden im Zusammenhang
mit der Ernährung der Ammonoideen bereits erwähnt.
Hier sollen nun drei Gesichtspunkte fossil nachweisbarer synökologischer
Wechselbeziehungen von Ammonoideen mit anderen Organismen
im Mittelpunkt stehen:
- Predation (Räuber-Beute-Beziehung),
- Epökie (Besiedlung der Gehäuse durch sessile
Organismen),
- Parasitismus (Störungen im Gehäusebau durch
Schmarotzer).
Predation
Ammonoideen nahmen nicht nur als Verzehrer von kleineren
Beutetieren ihren Platz in der marinen Nahrungskette ein,
sondern sie bildeten auch selbst die Nahrungsgrundlage für
andere Organismen.
Verschiedene Predatoren wie andere Cephalopoden (Nautiliden,
Coleoideen), scherentragende Krebse und Raubfische haben wir
bereits als wesentliche Verursacher von Gehäuse- und
Epithelverletzungen im Zusammenhang mit deren Regeneration
kennengelernt. In den dort beschriebenen Fällen waren
die Angreifer aber nicht erfolgreich, die verletzten Ammonoideen
konnten entkommen und ihre Blessuren anschließend wieder
verheilen. Wir wollen uns hier vor allem auf solche Fälle
konzentrieren, bei denen die Angreifer den Ammonit erfolgreich
zur Strecke brachten.
Hinweise auf das Spektrum möglicher Freßfeinde
liefern zum einen die charakteristischen Angriffsspuren am
Gehäuse, zum anderen die erhalten gebliebenen Mageninhalte
der Freßfeinde (Predatoren). Wie wir bereits bei der
Erörterung regenerierter Verletzungen festgehalten haben,
sind auch tödliche (letale) Predationserscheinungen Ausdruck
einer spezifischen Räuber-Beute-Beziehung. So hatten
bestimmte Ammonitenarten beziehungsweise -wuchsformen je nach
ihrem Lebensraum bevorzugte Jäger.
Die Analyse der Predationsphänomene versetzt uns so
in die Lage, Rückschlüsse auf spezifische Lebensweisen
der betroffenen Ammonoideen zu ziehen. An ihren Gehäusen
können vor allem drei Erscheinungsformen festgestellt
werden, die wir auf tödliche Predationsattacken zum Teil
unterschiedlicher Verursacher zurückführen:
1. Klar abgegrenzte Bissmarken durch Wirbeltier-Zähne,
2. Aufschälen der Wohnkammer von der Mündung aus,
3. große Schalenverluste im Gehäuse hinter der
Gehäusemündung.
Besonderes Aufsehen haben zu Beginn der sechziger Jahre Bißmarken
von Mosasaurus - einer mehrere Meter langen Meeresechse -
in den Gehäusen von Placenticeras, einem großwüch-sigen,
diskusförmigen Ammoniten der Ober-Kreide Nordamerikas,
erlangt. Seitdem sind ähnliche Funde mehrfach beschrieben
und untersucht worden.
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Die spitzkonischen Zahnt dieser gigantischen Eidechsen haben
regelmäßige Lochreihen in die Phragmokone gestanzt,
und die in die Schale eingedrungenen Zähne haben einen
typischen Kranz nach innen geschleppter Schalenfragmente erzeugt.
Die Anordnung der Bißmarken lässt darauf schließen,
dass die Meeresechsen beim Zubeißen zum Teil mehrfach
nachgefaßt haben. Die Wohnkammern ihrer Opfer wurden
in der Regel abgebissen, so dass die schnell gefluteten Phragmokone
mehr oder weniger zertrümmert auf den Meeresgrund sanken
und fossil wurden. Ähnliche Lochreihen können im
Zuge der Fossilisation auch durch Implosionen schwächerer
Schalenpartien entstehen, beispielsweise dort, wo sich vor
der Einbettung des Ammoniten Napfschnecken auf dem Gehäuse
niedergelassen und an diesen Stellen ein rundes bis ovales
Liegebett in die Schale gefräst hatten. Dennoch sind
solche alternativen Erklärungsversuche für die klassischen
Funde, bei denen die Lochreihen exakt mit dem Zahnabstand
und der Kieferform von Mosasaurus übereinstimmen, unwahrscheinlich.
Oft bleibt fraglich, auf welche Verursacher verschiedene andere,
durch Einwirkung einzelner Zähne entstandene Lochmuster
in Am-monoideenschalen zurückgehen.
Durchweg ohne Wohnkammer überlieferte Goniatiden mit
ähnlichen Lochmustern im Phragmokon wurden mehrfach als
Fraßreste von Haien interpretiert. Im Jura scheinen
die Hochsee-Jäger wie Haie und die weitverbreiteten marinen
Reptilien (Ichthyosaurier) jedoch eher Fisch- und Coleoideen-Schwärme,
besonders Be-lemniten, gejagt zu haben. So konnten beispielsweise
im Magen eines Haifisches (Hybodus) aus dem schwäbischen
Posido-nienschiefer mehr als hundert Belemniten-Rostren gezählt
werden.
In vergleichbaren Schichten Englands enthielt der Magen einer
Fischechse eine Massenansammlung von Onychiten, den Hornhäkchen
der Belemnoideen-Arme. Sie lassen darauf schließen,
dass eine Ichthyosaurier-Mahlzeit aus 760 bis 2430 Belemniten-Weichkörpern
(die kalkigen Rostren wurden großer Mondfische (Gyrodus)
im Solnhofener Plattenkalk belegen die Räuber-Beute-Beziehung
zwischen Raubfischen und Ammoniten.
Die hohe Konzentration organischer Substanzen innerhalb der
Magenfüllung hatte im ersten Beispiel zur Folge, dass
die ursprünglichen Perlmuttschalen zum Teil erhalten
blieben, während die Ammonitengehäuse im umgebenden
Sediment aufgelöst wurden und nur als Abdrücke vorliegen.
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